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Das Magazin für albanischen Wein & Feinkost

Von Illyrien ins Glas

Pulës: Berats weiße Seele im Rebsorten-Porträt

Pulës, die weiße Leitsorte der Region Berat: frisch, blumig, unkompliziert – der Terrassenwein der Welterbestadt. Herkunft und Geschmack.

Von Dennis Shalja · · 6 Min. Lesezeit

Reife hellgrüne Weintrauben, die am Rebstock hängen
Foto: Panelxf, CC0, via Wikimedia Commons

Manche Rebsorten wollen Denkmäler sein, andere einfach Freude machen. Pulës gehört entschieden zur zweiten Sorte: Sie ist der Wein, der in Berat auf den Tisch kommt, wenn die Sonne über der Stadt der tausend Fenster untergeht – hell, frisch, völlig uneitel. Und gerade deshalb verdient sie ihr eigenes Porträt.

Zuhause im Osum-Tal

Das Kerngebiet der Pulës ist das Tal des Osum rund um Berat, wo Weinbau seit der Antike belegt ist. Zwischen dem heiligen Berg Tomorr und den Hügelketten des Umlands findet die Traube, was sie braucht: viel Sonne für die Reife, Fallwinde vom Berg für die Frische. Der Name taucht in verschiedenen Schreibweisen auf – Pulës, Puls, Pulsi – gemeint ist dieselbe alte Landsorte, die die Familien der Region seit Generationen kultivieren.

Bemerkenswert ist ihre Doppelrolle: Pulës liefert nicht nur Wein, sondern traditionell auch die Basis für den Raki der Region – in Berat gehören Keller und Brennkessel seit jeher zusammen.

So schmeckt Pulës

  • Nase: Weißblüten, grüner Apfel, ein Hauch Zitrus – dezent und einladend
  • Gaumen: leicht und schlank, milde Säure, sauberer, trockener Abgang
  • Stilistik: die albanische Antwort auf Vinho Verde oder einen leichten Pinot Grigio – nur mit besserer Geschichte

Pulës will nicht analysiert, sondern getrunken werden: jung, gut gekühlt (8–10 °C) und in Gesellschaft. Barrique, lange Reife, große Inszenierung – all das braucht diese Traube nicht. Ihre Stärke ist die Mühelosigkeit.

Am Tisch

Als Terrassenwein glänzt Pulës solo, in der Küche liebt sie alles Leichte: Byrek und Fërgesë, gegrillten Fisch, Salate mit Schafskäse – und natürlich die Meze-Tafel zum Auftakt eines langen Abends. Wer in Berat unterwegs ist: Ein Glas Pulës auf einer Terrasse der Altstadt, mit Blick auf die osmanischen Häuserzeilen, gehört zu den einfachsten großen Momenten, die Albanien zu bieten hat.

Unser Fazit

Pulës ist der zugänglichste Weißwein Albaniens – kein Ehrfurchtswein, sondern ein Alltagsglück mit 2.400 Jahren Ortsgeschichte. Mit ihr ist unser Rebsorten-Quartett der Regionen komplett: die elegante Kallmet im Norden, die kraftvollen Shesh-Zwillinge im Zentrum, die kühle Debinë in den Bergen und die sonnige Pulës in Berat. Alle Sorten im Überblick findest du in unserem Rebsorten-Verzeichnis – und die Weingüter, die sie keltern, in der Weingüter-Datenbank. Welche Speisen zu Pulës und den anderen Sorten passen, zeigt der Pairing-Überblick Was passt zu albanischem Wein?.

Häufige Fragen

Was ist Pulës für eine Rebsorte?

Pulës ist eine weiße autochthone Rebsorte aus Südalbanien, deren Kerngebiet das Osum-Tal rund um die UNESCO-Welterbestadt Berat ist. Sie ergibt frische, leichte Weißweine und wird traditionell auch für Raki verwendet.

Wie schmeckt Pulës-Wein?

Pulës ist hell, leicht und unkompliziert: Aromen von grünem Apfel, Weißblüten und etwas Zitrus, milde Säure, schlanker Körper. Ein Wein, der jung und gut gekühlt am meisten Freude macht.

Wo kann man Pulës probieren?

Am besten vor Ort in Berat – die Weingüter der Region schenken Pulës bei Verkostungen aus, und in den Restaurants der Altstadt steht sie auf jeder Karte. In Deutschland führen erste Balkan-Spezialisten Pulës-Weine, etwa aus der Gegend um Vlora und Berat.

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