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Von Illyrien ins Glas

Shesh i Zi & Shesh i Bardhë: Albaniens ungleiche Zwillinge

Zwei Rebsorten, ein Dorf: Shesh i Zi und Shesh i Bardhë sind Albaniens meistangebaute einheimische Trauben. Was den roten und den weißen Shesh ausmacht.

Von Dennis Shalja · · 7 Min. Lesezeit

Rund fünfzehn Kilometer westlich von Tirana liegt das Dorf Shesh – ein Ort, den kein Reiseführer erwähnt und der doch in jeder Flasche albanischen Weins mitschwingt. Denn hier haben die beiden wichtigsten Rebsorten des Landes ihren Ursprung und ihren Namen: Shesh i Zi, der schwarze Shesh, und Shesh i Bardhë, der weiße. Zusammen stellen sie einen erheblichen Teil der einheimischen Rebfläche Albaniens – sie sind das Rückgrat des albanischen Weinbaus.

Zwei Sorten, eine Herkunft

Dass eine rote und eine weiße Sorte denselben Namen tragen, ist kein Zufall: Die beiden gelten als eng verwandt und wachsen seit Jahrhunderten Seite an Seite in den Hügeln Zentralalbaniens zwischen Tirana und Durrës. Die Region ist das größte zusammenhängende Weinbaugebiet des Landes – sanfte Hügel, viel Sonne, die Adria als mildernder Nachbar.

Während der kommunistischen Ära landeten beide Sorten überwiegend in den anonymen Tanks der Staatskooperativen. Erst seit der Jahrtausendwende zeigen ehrgeizige Weingüter der Region, was wirklich in ihnen steckt – und das ist deutlich mehr, als die Geschichte vermuten ließe.

Shesh i Zi: der Kraftvolle

Der schwarze Shesh ist das Gegenstück zum eleganten Kallmet aus dem Norden – ein Wein mit Schulterbreite:

  • Nase: reife Brombeere, dunkle Kirsche, süße Gewürze, oft ein erdiger, mediterraner Unterton
  • Gaumen: kraftvoll und warm, dabei mit erstaunlich weichen Tanninen und saftiger Frucht
  • Ausbau: von der unkomplizierten Alltagsversion bis zur seriösen Barrique-Selektion mit Reifepotenzial

Stilistisch bewegt sich Shesh i Zi irgendwo zwischen einem süditalienischen Rotwein und einem gereiften Côtes-du-Rhône – mit einem Eigencharakter, der sich schwer vergleichen und leicht mögen lässt. Am Tisch verlangt er nach Substanz: geschmortes Rind, Qofte (albanische Hackfleischröllchen) vom Grill, Pilzrisotto, gereifter Käse.

Shesh i Bardhë: der Unterschätzte

Weißwein aus einem Mittelmeerland – da erwarten viele belanglose Sommerware. Der weiße Shesh widerlegt das Vorurteil:

  • Nase: reife Birne, gelber Apfel, Wiesenkräuter, manchmal ein Hauch Honigmelone
  • Gaumen: stoffig und rund, mit moderater Säure und angenehm trockenem Abgang
  • Charakter: kein Leichtgewicht zum Nebenbei-Trinken, sondern ein Essensbegleiter mit Präsenz

Gut gekühlt ist Shesh i Bardhë ein idealer Partner für gegrillten Fisch, Meeresfrüchte, Byrek mit Spinat und Käse oder schlicht für einen Teller Oliven und Schafskäse. Die besten Exemplare vertragen sogar ein, zwei Jahre Flaschenreife.

Wer beide Shesh nebeneinander verkostet, versteht Albanien besser als nach jedem Reiseführer: rau und warm, kraftvoll und herzlich – zwei Seiten desselben Ortes.

Unser Fazit

Shesh i Zi und Shesh i Bardhë sind die Arbeitspferde des albanischen Weinbaus – und in den Händen guter Winzer weit mehr als das. Für Entdecker empfiehlt sich das Doppel: eine Flasche von jedem, dazu ein Abend mit Freunden und die Frage: „Ratet mal, woher der kommt.”

Preislich liegen gute Exemplare zwischen 8 und 16 Euro. Bezugsquellen für Deutschland sammeln wir laufend in unserer Kaufberatung für albanischen Wein.

Häufige Fragen

Was bedeutet Shesh i Zi und Shesh i Bardhë?

Die Namen leiten sich vom Dorf Shesh in Zentralalbanien ab. „I Zi“ bedeutet „schwarz“, „i Bardhë“ „weiß“ – es handelt sich also um den schwarzen und den weißen Shesh, eine rote und eine weiße Rebsorte.

Wie schmeckt Shesh i Zi?

Shesh i Zi ergibt kraftvolle, dunkelfruchtige Rotweine mit Aromen von Brombeere und Kirsche, warmer Würze und weichen Tanninen – deutlich kräftiger als der elegante Kallmet aus dem Norden.

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