Berat: Weinreise in die Stadt der tausend Fenster
Die UNESCO-Welterbestadt Berat ist eines der ältesten Weinbaugebiete Albaniens. Über Osmanen-Architektur, die weiße Pulës-Traube und Weingüter, die Besucher empfangen.
Manche Städte muss man gesehen haben, um sie zu glauben. Berat gehört dazu: Weiße osmanische Häuser stapeln sich den Burgberg hinauf, Fenster an Fenster – die Albaner nennen Berat die „Stadt der tausend Fenster”. Seit 2008 gehört die Altstadt zum UNESCO-Welterbe. Was kaum ein Besucher weiß: Er steht mitten in einem der traditionsreichsten Weinbaugebiete Albaniens.
Wein im Tal des Osum
Berat liegt im Tal des Flusses Osum, der sich hier zwischen dem Tomorr-Massiv – mit über 2.400 Metern einer der höchsten Berge des Landes – und sanfteren Hügelketten hindurchschiebt. Für den Weinbau ist diese Lage ein Geschenk: mediterrane Wärme im Tal, kühle Fallwinde vom Tomorr, dazu kalkhaltige Böden an den Hängen.
Der Tomorr ist übrigens mehr als eine Wetterscheide – er gilt seit jeher als heiliger Berg, Ziel jährlicher Wallfahrten. Wein und Spiritualität liegen in Berat seit Jahrhunderten nah beieinander.
Pulës: die Weiße von Berat
Die Rebsorte, die es so nur hier gibt, heißt Pulës – eine weiße autochthone Traube, die rund um Berat seit Generationen kultiviert wird. Im Glas zeigt sie sich hell und einladend:
- Nase: Weißblüten, grüner Apfel, ein Hauch Zitrus
- Gaumen: frisch und unkompliziert, mit milder Säure und schlankem Körper
- Am besten: jung getrunken, gut gekühlt, an einem warmen Abend
Pulës ist kein Meditationswein und will es nicht sein. Sie ist das, was die Italiener einen vino da terrazza nennen würden – nur dass die Terrasse hier einen Blick auf eine 2.400 Jahre alte Burg hat. Daneben wächst im Osum-Tal auch Rotes: Shesh i Zi, Merlot, Cabernet. Und aus den Trestern brennen die Familien der Region ihren Raki, der hier zu den angesehensten des Landes zählt.
Weingüter mit offenen Türen
Was Berat für Weinreisende besonders macht: Die Region hat den Weintourismus früher verstanden als der Rest des Landes. Mehrere Familienweingüter rund um die Stadt empfangen Besucher zu Verkostungen – oft sitzt man dabei mit der Winzerfamilie am Tisch, zwischen Weinbergen und Olivenhainen, und bekommt zum Wein hausgemachten Käse, Oliven und Brot serviert.
In Berat verkostet man nicht, man ist zu Gast. Der Unterschied ist der zwischen einer Weinprobe und einem Nachmittag, den man nie vergisst.
Praktisch heißt das: Wer eine Albanien-Reise plant, sollte Berat zwei Tage einräumen – einen für die Altstadt mit Burg und Ikonen-Museum, einen für die Weingüter des Umlands. Anmeldung vorab ist üblich, die Preise für Verkostungen sind moderat, und wer nicht fahren will, findet in Berat problemlos Fahrer für den Tag.
Die beste Reisezeit
- April bis Juni: grüne Hügel, milde Temperaturen, wenig Trubel
- September/Oktober: Weinlese – die spannendste Zeit für Weinfreunde, wenn auch die geschäftigste auf den Gütern
- Hochsommer: heiß im Tal, aber machbar – Verkostungen dann am besten am späten Nachmittag
Unser Fazit
Berat vereint, was Albanien als Weinland ausmacht: große Geschichte, eigene Rebsorten und eine Gastfreundschaft, die keine Marketingabteilung erfinden könnte. Wer die Stadt der tausend Fenster nur wegen der Architektur besucht, verpasst die Hälfte – die bessere Hälfte steht im Keller.
Mehr über Albaniens Anbaugebiete vom Norden bis zur Küste findest du in unserem großen Überblick über den albanischen Wein.
Häufige Fragen
Kann man in Berat Weingüter besuchen?
Ja. Mehrere Weingüter rund um Berat empfangen Besucher zu Verkostungen, teils mit Führung durch Keller und Weinberge. Eine Anmeldung vorab ist üblich – die Gastfreundschaft ist legendär, Englisch wird auf den größeren Gütern gesprochen.
Welcher Wein kommt aus Berat?
Typisch für Berat ist die weiße autochthone Rebsorte Pulës, daneben werden rote Sorten wie Shesh i Zi sowie internationale Trauben angebaut. Auch Raki – der albanische Traubenbrand – hat in der Region eine lange Tradition.